Finances "Weekly Specials"

Attraktive Diversifikationen?

ANETTE JOSWIG: Attraktive Diversifikationen?

Der Hurrikan „Irma“ hat die Existenz und Bedeutung der Cat Bonds für uns Anlegerinnen wieder in Erinnerung gerufen. Sie werden auch gern als attraktive Diversifikation verkauft. Das sollte man schon hinterfragen. Welchen Zeitraum betrachte und vergleiche ich? Gibt es bessere Alternativen?

Katastrophenanleihen existieren seit gut zwanzig Jahren. Versicherer und Rückversicherer geben damit einen Teil ihrer Verpflichtungen in Form einer „Obligation“ an andere Anleger ab. Es hängt danach vom Schadensverlauf ab, ob und wieviel ich irgendwann zurückerhalte. Auch wir Kleinanlegerinnen können vor allem über Cat-Fonds solche Konstrukte kaufen. Kürzlich erschienen Berichte über die „gute“ Performance von Cat Bonds im Vergleich zu S&P 500 und SMI.

Cat Bonds weisen gemäss Swiss Re Global Cat Bonds Index (Total Return) tatsächlich eine sehr stabile Entwicklung auf. Egal, was der Aktienmarkt treibt – Cat Bonds steigen und haben bis „Irma“ die Aktienmärkte auch outperformed. So konnte man es vor 10 Tagen in einem ausführlichen Finanzartikel lesen. Der Haken ist nur, dass man 2002 als Start gewählt hat und dazu eine Entwicklung in USD mit derjenigen in CHF vergleicht. Erinnern Sie sich noch? Vor 15 Jahren brach der Aktienmarkt stark ein und der USD war ganze CHF 1.50 wert. 

Nähme man einen anderen Startpunkt, z.B. Frühjahr 2003 könnte man das Gegenteil beweisen. Ein weiterer Chart im Finanzartikel mit Startpunkt 2008 insinuiert ebenfalls eine tolle Rendite, weil die Skala so gelegt ist, dass der Index rechts oben aufhört. Dabei ist es „nur“ eine kleine Verdoppelung. Im Text erfahre ich dann, dass diese Diversifikation eher ein Klumpenrisiko aufweist, weil Naturkatastrophen geographisch sich in bestimmten Regionen konzentrieren und Entwicklungsländer sowieso kein Geld für die Prämien haben. Zudem werde die ganze Berechnung, wann meine Obligation für einen Schaden aufkommen muss, sehr kompliziert durch Datenanalyseagenturen bestimmt und meine Bonds würden im Katastrophenfall illiquide, verkaufen kann ich nur alle 2-4 Wochen. 

Ja, … dann fällt mir als Diversifikation sicher etwas Eleganteres ein. Nicht zu vergessen, dass ich bei einer Cat Bond Anlage konsequenterweise eher keine Rückversicherungsaktien mehr im Depot halten sollte. Das wäre sonst doppelt genäht. 

Diese Anlagen sind sehr nützlich, ebenso wie die die hundertjährige Anleihe von Österreich zu 2 % oder die sechsfach! überzeichnete  7% Anleihe vom ärmsten Land Zentralasiens, Tadschikistan. Es handelt sich hier um zwei Emissionen, die kürzlich doch ziemlich exotisch waren.

Aber für mein Depot ziehe ich eine brave, finanzstarke und idealerweise Dividenden zahlende Gesellschaft im europäischen Raum vor. Ob das zukünftig eine attraktive Diversifikation bleibt, wissen wir jetzt auch noch nicht.

lic. oec. Anette Joswig

Autor(in): lic. oec. Anette Joswig

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