Finances "Weekly Specials"

Wohin mit dem Vorsorgegeld?

ANETTE JOSWIG: Wohin mit dem Vorsorgegeld?

Ist es sinnvoll, Vorsorgegelder in Fonds anzulegen? Worauf sollte man achten und warum sollte man Obligationenfonds zur Zeit meiden?

Mit der Säule 3a und dem Freizügigkeitskonto (Pensionskassengeld, welches nicht mehr in eine andere Pensionskasse einbezahlt wurde) dürfen wir in beschränktem Masse die Anlagepolitik mitbestimmen: Entweder lassen wir das Geld einfach auf dem Konto oder wir kaufen spezielle Fonds in der Hoffnung, den aktuellen mickerigen Zins ein wenig aufzupeppen.

Grundsätzlich würde ich das Vorsorgegeld derzeit auf dem Konto lassen - egal wie tief der Zins ist. Mein Vorsorgegeld ist meine eiserne Reserve und steuerbefreit bis zur Auszahlung. Warum also jetzt, nach 10 Jahren Börsenhausse, mit dieser eisernen Reserve Aktien kaufen? Falls die Börse doch weiter steigen sollte, hätte ich (in der Schweiz!) steuerbefreite Kapitalgewinne, die bei Auszahlung dann besteuert würden. Lieber beim privaten Sparen voll auf Aktien setzen und den festverzinslichen Part der gebundenen Vorsorge überlassen. Ist doch logisch? Ausser Sie sind mutige Superoptimistin – dann nichts wie überall rein in Sachwerte.

Wäre ein Fonds mit grossem Obligationenanteil die vorsichtige Alternative, wo doch der Ertrag steuerpflichtig ist? 

Nehmen wir als Beispiel die 3.5% Eidgenossenanleihe 8.4.2033: Diese Obligation kostet derzeit 152%, d.h.für CHF 100‘000 nominal müssten Sie CHF 152‘000 zahlen. Sie würden jedes Jahr am 8.4. den Coupon von CHF 3‘500 als Zins erhalten. Doch die Rendite auf Verfall beträgt 0%, weil Sie bei Verfall „nur“ das Nominal, nämlich CHF 100‘000 erhalten. Die CHF 52‘000 sind weg!

Sollte die Marktrendite innert 2 Jahren von jetzt 0% auf dann 2% steigen, würde die Anleihe im Jahr 2020 nur noch CHF 117% kosten (anstatt immerhin noch 145% bei 0% Marktrendite). Je längerfristig mein Fonds also in Obligation investiert ist, desto höher sind die Verluste auf den Beständen. Tatsächlich  hatten sich Oblifonds bis vor kurzem sehr gut entwickelt. Dank der sinkenden Zinsen haben sie sozusagen von einem Turboeffekt profitiert. Bei steigenden Zinsen passiert nun das Gegenteil.

Folglich ist meine Antwort : Nein, ein grosser Obligationenanteil ist derzeit keine vorsichtige Anlagealternative.

Noch schlimmer wäre es aber, obige Anleihe (sie dient mir hier als konkretes Beispiel, ein Oblifonds verhält sich ähnlich) im privaten Depot zu halten. Sie versteuern dann jedes Jahr einen Ertrag von CHF 3‘500 und ein Vermögen von CHF 152‘000 mit Tendenz sinkend auf CHF 100‘000 bis 8.4.2033. Sicherer kann man Geld nicht verlieren.

Fonds mit hohem Aktienanteil würde ich für meine Vorsorge erst dann kaufen, wenn wir uns nach einer starken Börsenbaisse die Wunden lecken…

Nun wünsche ich Ihnen ein ganz tolles 2018 – bleiben Sie fit und gesund!

lic. oec. Anette Joswig

Autor(in): lic. oec. Anette Joswig

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