Finances "Weekly Specials"

Flache Zinskurve in den USA

SYLVIA WALTER CIIA: Flache Zinskurve in den USA – Marktbeobachter sind beunruhigt

In den einschlägigen Zeitungen rund um den Globus und in den Kommentaren zum Finanzmarkt ist derzeit viel über die Zinskurve (oder auch Zinsstrukturkurve bzw. yield curve), vorab der USA, zu lesen. Die Angst der Analysten ist die Angst vor einer deutlichen Wachstumsabschwächung oder gar Rezession in den USA. Die Meinung ist, und dies wird von der Empirie auch bestätigt, dass eine Verflachung der Zinskurve oder gar eine Inversion eine Rezession in 12 bis 24 Monaten ankündigt. Die Verflachung der Kurve ist seit Ende 2013 sehr deutlich zu beobachten. Eine Inversion, d.h. eine Situation in der die Langfristzinsen (über 10 Jahre) tiefer sind als die Kurzfristzinsen (bis zu 2 Jahren Laufzeit) ist (noch) nicht eingetreten (s. Grafik). 

Zu „normalen“ Zeiten ist die Zinskurve meist steigend und nicht abfallend (invers). Dass die Langfristzinsen in der Regel höher sind als die Kurzfristzinsen hat verschiedene Gründe. Kreditgeber beispielsweise wollen für das höhere Risiko abgegolten werden, das sie bei einem Kredit mit langer Laufzeit eingehen. Auch die geringere Liquidität bei langer Bindungsdauer spielt eine Rolle. Und schliesslich erwarten die Marktteilnehmer gewöhnlich höhere Zinsen in der Zukunft. 

Die lange Zeitperiode mit tiefen Inflationsraten und tiefen Zinsen hat genau diese Erwartungshaltung unterminiert. Analysten, die auf höhere Zinsen setzten wurden immer wieder eines Besseren belehrt. Somit hat sich das „lange Ende“ der Zinskurve (Laufzeiten > 10 Jahre) weniger bewegt als das „kurze Ende“ der Kurve (Laufzeiten < 2 Jahre). Das kurze Ende wird massgeblich durch den Leitzins und somit die Notenbank beeinflusst. Die US Federal Reserve ist seit 2015 daran, die Kurzfristzinsen anzuheben, während die Langfristzinsen gut verankert blieben. Dies führt zu der beobachteten Verflachung der Kurve, welche Kreditnehmern mit langfristigen Verbindlichkeiten zugute kommt, insbesondere hochverschuldeten Staaten. 

Wieso sollte denn eine inverse Zinskurve eine Rezession ankündigen? Die Argumentation ist folgende: Kurzfristzinsen entsprechen den Kreditkosten am Markt. Banken leihen zu diesen Zinsen kurzfristig Geld aus bei der Notenbank und geben diese in Form von Krediten mit Aufschlag weiter. Die Langfristzinsen andererseits sollten dem strukturellen Wirtschaftswachstum entsprechen. Die Gewinne der Unternehmen wiederum sind an dieses Wirtschaftswachstum gekoppelt. Ist die Zinskurve abfallend heisst dies, dass die Kapitalkosten höher sind als die Unternehmensgewinne, was eine Rezession nahezu unvermeidbar macht.

Noch ist die Zinskurve nicht invers. Dies ist nicht vor 2019 zu erwarten, wenn überhaupt. Es gilt aber diese Entwicklung genau zu beobachten, nicht zuletzt um die richtigen Anlageentscheide zu treffen. Die Finanzmärkte sind jetzt bereits deutlich nervöser und somit volatiler geworden.

Sylvia Walter Diplom-Volkswirtin

Autor(in): Sylvia Walter Diplom-Volkswirtin

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