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Danke für die guten Ratschläge

ANETTE JOSWIG: Danke für die guten Ratschläge

Je tiefer die Kurse sinken und je volatiler die Ausschläge sind, desto mehr gute Ratschläge erhält man zum Thema Portefeuilleabsicherung.
Leider kann man die Uhr nicht zurückdrehen und ich stelle mir eher die Frage, ob sich eine Absicherung überhaupt (oder noch?) lohnt. Einen kürzlich erschienenen Artikel in einer renommierten Schweizer Tageszeitung möchte ich kommentieren. Es ging um Rettungsringe für stürmische Zeiten. Danach greifen wir natürlich gern. 
„Taktisch vorgehen“ sollen wir, aber „die strategische Ausrichtung des Portefeuilles beibehalten“. Im Klartext bedeutet das, den Aktienanteil ein wenig reduzieren. Das hätte ich liebend gern vorher bei Höchstkursen gemacht. 

„Umschichtungen sind angesagt“: Also mehr defensive Titel als Zykliker und Wachstumsaktien halten. Letztere haben sich teils halbiert und auch da scheint es ein wenig spät. Zudem  soll ich die strategische Ausrichtung doch beibehalten. Umschichtung ist eigentlich auch Strategiewechsel.. 
„Verkaufsoptionen/ Mini- Futures“: Wissen Sie, dass Sie nur eine rund 25%ige Wahrscheinlichkeit  haben, um mit Optionen einen Gewinn zu erzielen? Timing und Laufzeit müssen absolut stimmen, sonst wird es bestenfalls eine Nullrunde.

„Stop-Loss-Order setzen“: 10% unter aktuellem Kurs für Bluechips, 20% bei volatilere Aktien ist die Empfehlung. Als langfristig denkende Daueroptimistin sind das für mich eher wieder Kaufkurse. Erst bei der aktuellen Börsenentwicklung wäre es ein Rettungsring geworden. Doch nur Glückspilze treffen genau die Spitze. 
Fazit: Gern hätte ich mich schon öfter abgesichert in den letzten Jahren, denn die Börsenentwicklung war ja unglaublich. Das kostet aber immer einige Prozentpunkte des Depots. Machen wir das 4-6 mal, weil es doch keine Baisse gab, sind schnell ca. 8-20 % weg. Falls man doch noch richtig liegt mit dem Timing, stellt sich die Frage des Wiedereinstiegs, weil man doch den Tiefpunkt nicht verpassen will. Auch dann ist man meistens zu früh oder zu spät. Wir durchleiden nicht die erste und auch nicht die letzte Baisse. Die Verkäufer von vielen strukturierten Produkten jubeln derzeit, weil so viele Barrieren durchbrochen wurden und sie zu Toppreisen abladen können. Manchmal habe ich das Gefühl, gewisse Kurse werden bewusst gedrückt, nachdem sie zuerst raufgeschraubt worden sind, um die unzähligen Produkte „mit Barriere“ zu verkaufen. Auch wenn es einstweilen schmerzt,… Ruhe bewahren bewährt sich am Schluss.

Es wird weder oben noch unten geklingelt. Echte Rettungsringe gibt es an der Börse leider nicht. 

Autor(in): lic. oec. Anette Joswig

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