Finances News

Der Spagat zwischen Matratze und Spekulation

ANETTE JOSWIG: Der Spagat zwischen Matratze und Spekulation

Wo gibt es denn Sicherheit, werde ich nun wieder oft gefragt. Zu Beginn des Jahres, mit den schönen Börsengewinnen vom 2017 im Rücken, wurden hier und da letzte Cashreserven eingesetzt für weitere Aktienanlagen. Empfehlungen, auch mal die Hypothek abzuzahlen, wurden eher mit einem Nasenrümpfen quittiert.

Ob wir noch tiefere Kurse erleiden müssen oder ob es, wie schon so oft, ein reinigendes Gewitter war, wissen wir alle nicht. Wichtig ist, dass wir Baissen «durchhalten» können. Wer zu hohe Schulden hat oder gar mit Lombardkrediten spekuliert, kriegt schnell kalte Füsse bzw. die Bank wird ihm gnadenlos bei fehlender Deckung einige Aktienpositionen zwangsverkaufen. Verkauft wird dann «bestens» und zwar vor allem – verständlicherweise - die liquidenTitel.

Meiden Sie weiterhin Obligationen oder gemischte Fonds mit Obligationen. Ein krasses Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie würden den 4% Eidgenosse 2028 kaufen zum aktuellen Kurs von 137%. Damit erzielen Sie eine Rendite von 0%. Aber das ist nicht alles. Sie zahlen beim Kauf rund 0.5-1.0% Courtage und jährlich 0,3-0.6% Depotgebühren. Und dann müssen Sie jährlich 4% «Ertrag» versteuern, den Sie zwar tatsächlich erhalten, aber auch grad wieder verlieren, weil Ihnen die Obligation im Jahr 2028 nur zu 100% ausbezahlt wird. Dazwischen versteuern Sie zusätzlich noch Vermögen (137% Tendenz sinkend), welches Sie auch nie besitzen werden. Schneller können Sie Geld nur noch beim Kauf eines neuen Autos verbrennen.

Kryptowährungen? Vielleicht bin ich dafür schon zu alt. Aber ich habe gern einen Gegenwert für mein Geld. 
Eine Aktie ist ein Stück Firma, Teil der Wirtschaft, Sachwert.  
Eine Obligation ist eine andere Form von «Währung», die halbwegs sicher sein sollte. Eine Währung ist das Spiegelbild einer Volkswirtschaft. Deshalb halte ich auch Schweizer Franken und keine türkische Lira. Bei Bitcoin besitze ich etwas Virtuelles, das ein Computer berechnet und ein kluger «Miner» ausgräbt und verkauft.
Gold ist strenggenommen ein altmodischer Bitcoin. Eine Bergbaufirma sucht ein Goldvorkommen, baut es ab und verkauft das Gold. Anders als Bitcoin ist das Gold aber nützlich (industrielle Anwendungen) oder schön (Schmuck). Interessanterweise wurde kürzlich erwähnt, dass einige Länder weg von der Dollarhegemonie wollen und Gold als alternatives Zahlungsmittel in Betracht ziehen. Und Nationalbanken würden wieder vermehrt Gold kaufen. Gold hat sich als Sachwert bewährt. Vor zwanzig Jahren haben übrigens einige Nationalbanken das Gold tonnenweis auf den Markt geworfen. Es gab Absprachen, welche Nationalbank wann verkaufen durfte. Erinnern Sie sich? Dabei wäre es die bessere Anlage als US Dollar gewesen. 

Persönlich lege ich das Geld aus Angst nicht unter die Matratze, aber spekulieren will ich auch nicht. Irgendwo dazwischen …will ich gute Sachwerte besitzen und Ruhe beim nächsten Sturm bewahren.

Autor(in): lic. oec. Anette Joswig

Folgen Sie uns