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Diesen faulen Apfel will ich nicht

ANETTE JOSWIG: Diesen faulen Apfel will ich nicht

Einseitige und oft gar doppelseitige Werbung über strukturierte Produkte (Strukis) in spezialisierten Medien lese ich ab und zu mit grösstem Interesse und frage mich, wer kauft das alles. Allerdings muss ich hinzufügen, dass ich mir diese Frage auch vor dem Getränkeangebot oder den Joghurtkühltruhen in den Läden stelle.
Verkauft wird, was der Kunde verlangt. Also besteht eine Nachfrage. So wie ja auch eine immense Nachfrage nach Fertigprodukten bei Lebensmitteln besteht: praktisch, nicht zu teuer und man muss doch nicht im Detail wissen, was drin ist.
Zum Produkt «callable multi barriere reverse convertible» - eines der beliebtesten «Strukis» im Anlageuniversum– möchte ich einige Überlegungen anstellen.
«callabe»… die Emittentin hat das Recht, das Produkt vorzeitig zurückzuzahlen. Bei 8-11% p.a. fände ich das sehr schade, aber das wurde mir ja mitgeteilt.
«multi barriere» …hier wird meistens ein Dreierpäckli verkauft. Ab und zu aus dem gleichen Bereich – Pharma, Technologie, Rohstoffe usw. – aber oft auch Chrüsimüsi wie «Adecco, Lafarge, Logitech, Swatch». 
«reverse convertible»…hier droht nun der Schlag mit dem Hammer. Die Barriere mag mit meistens 55-70% tief angesetzt sein, aber wenn eine der Aktien im Multipäckli eben diese 30 bis 45% im Laufe der 1-3 Jahre absackt, dann landet genau dieser faule Apfel, und zwar gleich dreifach, bei mir im Depot. Leider nicht zum Ausverkaufskurs, nein, sondern zum damaligen hohen Marktkurs (=100%). 
Somit darf ich als vorsichtige Anlegerin jeweils nur 1/3 der Position zeichnen, weil ich riskiere, plötzlich eine einzige Aktie für meine gesamte Investition in dem Produkt übernehmen zu müssen, nämlich die Schlechteste. Aber auch das wurde mir mitgeteilt und ich mache es freiwillig.
Eine gute Aktie (=Direktanlage) kann auch 5-8% p.a. steigen, 2-3% Dividende erhalten Sie zusätzlich. Bei grösseren Positionen können Sie auch Eurex-Optionen verschreiben mit nochmals 3-8% p.a. steuerfreiem Ertrag. 
Natürlich gibt es nirgends eine Garantie, dass nicht auch da irgendwo mal ein fauler Apfel dazwischen ist. 
Aber Sie bleiben unabhängig und haben Ihr Depot garantiert besser im Griff. 

Autor(in): lic. oec. Anette Joswig

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