Finances News

Null Komma null Prozent auf zehn Jahre..

ANETTE JOSWIG: Null Komma null Prozent auf zehn Jahre...

…und noch weniger erhalten Anlegerinnen derzeit, wenn sie eidgenössische Obligationen zeichnen. Jede gute Schweizer Aktie zahlt derweil eine jährliche Dividende von gut 3%.

Nach zehn Jahren hätte man, auf CHF 100 gerechnet, stattliche CHF 30 zusammen. Oder die Aktie könnte auf CHF 70 sinken und man wäre gleich mit der 0% Obligation.
Zehn Jahren Superhausse und nun durchschreiten wir ein Jammertal, eine düstere Zukunft wird prognostiziert, die eigene private Vorsorge steht auf wackligen Beinen,  Pensionskassen, Versicherungen …alle sitzen wir im gleichen Boot und das Gespenst der Unterdeckung wird wieder herumgehen. 

Im Vergleich zu den letzten 40 Jahren ist eigentlich vieles normal: Wirtschaftlich geht es rauf und runter mit Tendenz immer besser, die Börse bewegt sich ebenfalls im steigenden teils schmerzenden Zickzack, die Politiker bereiten hie und da Sorgen, der Schuldenberg steigt, der Wohlstand auch. 

Vor zehn Jahren haben die grossen Notenbanken eine einzigartige Aktion gestartet und seither unglaubliche Summen für Obligationenkäufe ausgegeben. Neue Begriffe wurden kreiert für neuartige Rettungsaktionen. Der grosse Crash, der Zusammenbruch der Finanzsysteme und alles, was damals heraufbeschworen wurde, konnte vermieden werden. Und allmählich rentierten Aktien besser als Obligationen. Erinnern Sie sich noch daran, dass das Gegenteil als normal galt und Aktien trotzdem gekauft wurden? Und nun bei (schon lang) 0% Zins und schon seit 2015 steigenden Zinsen in den USA wirft man Aktien regelrecht weg. Wo bleibt der gesunde Verstand?

«Renten senken oder höhere Beiträge» fordert der berühmte Harvard Professor Martin Feldstein. Ebenfalls las man (woanders) von einem «verheerenden Crash, nach dem die Hälfte der Rentner von Sozialwerken wird leben müssen». 
Das macht ja wirklich Angst :-)
Ich glaube eher, dass man notfalls Aktienkaufprogramme starten würde.Aber die Anleger müssen Angst haben und sie dürfen keinen Freipass erhalten (und der existierte mit dem Bernanke/Yellen-Put !!). Notenbanken sorgen für Ordnung im Finanzsystem. Geld ist schliesslich nur Mittel zum Zweck. Ob man die Börsen oder die Sozialwerke «finanziert» macht psychologisch einen sehr grossen Unterschied. 
Manchmal empfinde ich die unzähligen Analystenprognosen mit dem Ziel, auch noch nach dem Komma richtig zu liegen als naiv. Sie sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Angebot und Nachfrage müssen im Gleichgewicht sein. Egal ob bei KGV 10,20 oder 40. Eine richtige Bewertung gibt es nicht – und eine Schlange vor dem Sozialamt will niemand. Ein komplexes Thema…

Freuen wir uns auf ein besseres 2019. Es gab leider kein Weihnachtsrally.
Ich wünsche Ihnen nun einen guten Rutsch und bleiben Sie gesund.

Autor(in): lic. oec. Anette Joswig

Folgen Sie uns