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Help! Sexy oder bieder?

ANETTE JOSWIG: Help! Sexy oder bieder?

Ja, sexy und bieder gibt es ja auch an der Börse und auf was stehen Sie?
Persönlich ziehe ich brave Aktien vor, weil ich bei den sexy Aktien erfahrungsgemäss immer Verspätung habe und sie nach meinem Kauf dann bald nicht mehr so sexy sind. Natürlich sind auch die biederen Aktien nicht vor Einbrüchen gefeit und das haben wir in den letzten Wochen wieder hautnah erlebt. Die Börse steigt und einige Titel stürzen regelrecht ab.
Konkret denke ich hier an Titel wie Rieter, Komax oder APG. Wenn ich sie nicht schon im Depot hätte, würde ich sie sofort kaufen. Rieter produziert Maschinen für den sehr zyklischen Textilmarkt, Komax ist stark vom zyklischen Automarkt abhängig, APG operiert im harten Geschäft mit Aussenwerbung im Schweizer Markt. Alle drei Firmen sind führend in ihren Märkten, gut finanziert und irgendwie ganz einfach vernünftig. Weder Exzesse bei den Managerlöhnen noch Skandale und vielleicht erfüllen sie sogar die Auflagen einer angenommenen  Konzernverantwortungsinitiative ohne Zusatzaufwand. 
Als APG vor vielen Jahren mit der Auslandstrategie einen brutalen Schiffbruch erlitten hatte, stutzte der Verwaltungsrat beschämt sein Honorar. Können Sie mir einen Grosskonzern nennen, der das gemacht hat? In den nächsten zwei Jahren  scheint es für APG holprig  zu werden, Gewinne wird sie trotzdem erzielen. Auch eine Dividende wird sie weiterhin zahlen. Aber die Aktie wird abgestraft. Ob die danach besseren und prognostizierten Aussichten eintreffen, kann natürlich auch ein ehrlicher CEO nicht garantieren. Aber wenn ich weiss, dass in der Vergangenheit  schon nicht getrickst wurde, so nehme ich das einer solchen Firma eher ab als einer halbkonkursiten Firma, die seit langem Gewinne verspricht und immer wieder Ausreden findet, warum nun der Turnaround immer noch nicht stattgefunden hat. Bei Komax und Rieter wird ähnlich kommuniziert. 
Es gibt zahlreiche andere Beispiele im Schweizer Markt. 
Ich meine, man sollte den «biederen» Firmen auch in schlechteren Zeiten eine höhere Bewertung zugestehen, anstatt sie jeweils grad abzustrafen.
Aber die knallharte «hinter dem Komma»-Rechnung vieler Anleger und Analysten mit den logischen Kursrückschlägen in diesen engen Märkten bietet ja auch Kaufgelegenheiten, die wir nutzen sollten, wenn wir die Titel nicht noch schon im Depot haben. Beunruhigen tun mich die Kursrückgänge sicher nicht.

Autor(in): lic. oec. Anette Joswig

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